Vor Rollstuhlskaten-WM in Köln

Veröffentlicht am von David Lebuser

David in Aktion
David in Aktion
Bild: Privat

Am 18. Mai wurden die 2. offenen/internationalen Deutschen Meisterschaften im WheelchairMX ausgetragen. Eine Veranstaltung, die einer Meisterschaft definitiv würdig war und in der man die Entwicklung eines jungen Sports erkennen konnte. Der Ausgang war dieses mal nicht so klar, das Leistungsgefälle wird kleiner, die Konkurrenz größer und das bringt spannendere Duelle und vor allem mehr Vielfalt.

In der höchsten Startklasse sind nur drei Starter angetreten und man könnte fragen, wo genau soll nun diese Entwicklung zu sehen sein? Zum Einen, dass der Vorjahressieger Kevin van Ekert dieses mal Zweiter geworden ist und zwar so knapp wie im Vorjahr auch sein Sieg war, zum Anderen muss man die dieses Jahr noch kommende Weltmeisterschaft in Köln beachten, wodurch viele internationale Starter sich dazu entschieden haben, ihren Deutschlandbesuch später im Jahr zu machen.

Bevor ich aber auf das noch kommende Highlight komme, möchte ich den Blick auf die Frauen und das Mittelfeld, also die Divisions 2 und 3 lenken. Hier waren die Startfelder deutlich größer und die Ausgänge noch offener. Sowohl bei den Frauen, als auch bei den Intermediates der Division 3 konnten sich frische Talente durchsetzen. Die Berliner Lokalmatadorin Ronja Holze gewann bei den Frauen zu ihrer großen Überraschung. Mir war bereits vorher klar, dass sie zumindest als Geheimfavoritin zu sehen war. Sie überholte damit auch die Vorjahressiegerin Lili Rice aus Großbritannien und verwies Lisa Schmidt auf Platz 4 noch hinter Ilaria Naef aus Italien.

Der männliche Nachwuchs muss sich aber auch nicht verstecken, hat doch der gerade mal 15-jährige Til Augustin den Titel der Intermediate Division geholt. Im Vorjahr gewann er bereits die Beginner Kategorie. Vor nicht einmal einem Jahr entdeckte ich Til auf der Leipziger Messe OT World und lud ihn zu unserem WCMX Tag in Leipzig ein. Zu sehen, wie seine Leidenschaft für diesen Sport wuchs und wie er sich entwickelt macht mich ein bisschen stolz und erfüllt mich mit großer Freude. Ich muss dazu sagen, dass er mich noch eine Woche vor der Meisterschaft bei einer kleinen Skatecompetition in Hamburg auf Platz 2 verwies. Zu sehen, dass der Nachwuchs meine Leidenschaft teilt, ist die größte Belohnung für meine Arbeit der letzten sechs Jahre, die nun in eine wachsende Szene, Meisterschaften und viel Nachwuchs aufging.

Wo ich den Nachwuchs erwähne, darf ich nicht unsere Beginnerklasse vergessen, die zwar dieses Jahr auch nur dünn besetzt war, aber dafür ebenso zeigen konnte was Kinder mit ihren Rollstühlen lernen können. Egal ob Tom Brimacombe aus Potsdam oder Aylin Bülbül aus Bielefeld (kobinet 18.5.2019) sich auch nicht gegen Pierre Richter durchsetzen konnten. Sie waren die Gewinner aller Herzen. Die 6-jährige Kamikaze Aylin, wie sie von ihren Freunden und Eltern genannt wird, fuhr Treppen und riesige Absätze runter, vorwärts rückwärts und mit Drehung in dazwischen. Tom carvte durch den Skatepark in einer unglaublichen Geschwindigkeit und beide zeigten damit wie gut Kinder ihren Rollstuhl beherrschen lernen können. Heute können wir uns kaum vorstellen, was Kids wie Aylin und Tom in einiges Jahren machen werden. Auf jeden Fall beherrschen sie ihren Rollstuhl und werden die Hürden des Alltags damit meistern können. Ich glaube aber wir werden noch vieles sehen, was für unglaublich oder unmöglich gehalten wird.

Einiges davon können wir dieses Jahr bereits in Köln sehen, auch wenn es vielleicht noch nicht Aylin, Tom, Ronja oder Pierre sein werden. Bei der Weltmeisterschaft in Köln erwarten wir die Top Fahrer aus der ganzen Welt, inklusive den amtierenden Weltmeister und international bekannten Nitro Circus Star Aaron Fotheringham. Außerdem haben sich bereits Blake Simpson und einige Fahrer aus Brasilien und Europa angekündigt. Schon jetzt ist also klar, dass die Top 3 vertreten sein wird und das es die bisher internationalste WM im WCMX sein wird. Noch nie waren so viele unterschiedliche Nationen im Rennen und das könnte uns einige Überraschungen versprechen. Denn unter den Erstteilnehmern sind junge, wilde und hungrige Fahrer wie Nemanja Radicevic aus Serbien, der mir im letzten Jahr den Handplant beibrachte, sowie der bereits erwähnte Kevin van Ekert.

Ich kann also nur jedem empfehlen am 1. September zu den Finals im WCMX nach Köln in den Northbrigade Skatepark zu kommen und sich Tricks von Rollstuhlfahrern zeigen zu lassen, die man sich nicht hätte vorstellen können.

Wer bereits beim Training und den Qualifikationsläufen reinschnuppern will, der kann bereits ab dem 30. August diesen Sport mit Hochkarätern der Szene in der Northbrigade Köln bewundern.

Infos zur WM: http://www.paraskate2019.de

Fotos von den Deutschen Meisterschaften 2019 in Berlin

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