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Wir brauchen Leichte Sprache überall

Angedeuterte Erdkugen, die fünf Personen umarmen
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Foto: SOD

BERLIN (kobinet Zum heutigen Internationalen Tag der Leichten Sprache hat Special Olympic- Mitarbeiter Hartmut Augustin mit Sarah Jane Borchert und mit Reynaldo Montoya über die Bedeutung von Leichter Sprache geredet. Sarah Jane Borchert ist Referentin bei Special Olympics Deutschland, geredet. Sie macht Übersetzungen in Leichter Sprache für die größte Sportorganisation für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Reynaldo Montoya ist Sportler und kümmert sich bei Special Olympics Deutschland um das Thema Gesundheit.

Frage: Sarah Jane, anlässlich des Internationalen Tages der Leichten Sprache möchte ich mit dir und Reynaldo in Leichter Sprache ein Interview führen und dabei auf verschiedene Aspekte der…

Sarah Jane: Halt. Das ist keine Leichte Sprache.

Frage: Was ist Leichte Sprache?

Sarah Jane: Leichte Sprache können alle Menschen gut verstehen. In der Leichten Sprache gibt es Regeln. Und: Menschen aus der Zielgruppe prüfen unsere Texte. Können sie die Texte gut verstehen? Dann sind die Texte fertig. In der Leichten Sprache übersetzen wir nicht jedes Wort aus dem Ausgangs-Text. Wir bauen den Text in Leichter Sprache ganz neu zusammen. Der Inhalt ist aber derselbe.

Frage: Ist Leichte Sprache richtiges Deutsch?

Sarah Jane: Ja. Wir halten uns an die Regeln von der deutschen Grammatik. Also an die Regeln, die auch für die Standard-Sprache gelten. Oft schreiben wir Wörter anders als in der Standard-Sprache. Wir schreiben zum Beispiel: Handball-Spielerin. Wir schreiben nicht: Handballspielerin. Das ist nach den Grammatik-Regeln aber erlaubt. Wir haben in der Leichten Sprache aber noch mehr Regeln.

Frage: Welche Regeln sind das?

Sarah Jane: Wir nutzen leichte Wörter. Wir vermeiden Fremdwörter. Also Wörter aus einer anderen Sprache. Wir vermeiden Fachwörter. Deshalb sagen wir zum Beispiel: Erlaubnis. Wir sagen nicht: Genehmigung. Müssen wir Fach-Wörter nutzen? Dann erklären wir sie. Die Sätze in der Leichten Sprache sind kurz: Oft haben wir nicht mehr als 8 bis 10 Wörter. Wir haben eine große Schrift. Und: Bilder unterstützen unsere Texte.

Frage: Gelten die Regeln nur für die geschriebene Sprache?

Sarah Jane: Nein. Viele von den Regeln gelten auch für die gesprochene Leichte Sprache. Für die gesprochene Leichte Sprache gibt es aber auch noch andere Regeln. Zum Beispiel:

• Wir reden langsam und schauen den Gegenüber an.

• Wir stellen offene Fragen.

Also keine Fragen, auf die man mit Ja oder Nein antworten kann.

• Wir nutzen unsere Arme und Hände, um etwas zu erklären. Also zum Beispiel um den Weg zeigen.

Frage: Reynaldo, warum ist Leichte Sprache für dich wichtig?

Reynaldo: Die ist im Alltag ganz wichtig für mich. Zum Beispiel, wenn ich zum Arzt gehe. Lateinische Worte verstehe ich nicht. Aber nur wenige Ärzte kennen sich mit Leichter Sprache aus. Und: Wenn ich einen Brief vom Amt bekomme. Der ist auch schwer zu verstehen. Auch Verträge. Da brauchen wir mehr Leichte Sprache. Oder beim S-Bahn-Fahren…

Frage: Beim S-Bahn-Fahren?

Reynaldo: Die Ansagen auf dem Bahnhof sind schwer. Manches verstehe ich nicht. Die Schrift auf der Anzeige-Tafel ist klein. Manche können das nicht lesen. Viele Verantwortliche machen es sich zu leicht. Sie denken nicht an Leute wie mich. Man kann es Menschen oft nicht ansehen, ob sie alles verstehen.

Frage: Was sind eure Vorschläge?

Reynaldo: Überall muss es Leichte Sprache geben. Leichte Sprache hilft auch Kindern und alten Menschen. Und Menschen, die wenig Deutsch können. Die Politik muss sich mehr kümmern. Ärzte, Lehrer, Beamte sollen Leichte Sprache kennen. Und Rechtsanwälte. Dafür muss es mehr Geld geben.

Sarah Jane: Reynaldo hat Recht. Wir brauchen Leichte Sprache überall. Einige Dinge sind schon besser geworden. Zum Beispiel: Städte müssen Leichte Sprache auf ihren Internet-Seiten verwenden. Früher haben sie oft nur 3 kurze Sätze übersetzen lassen. Das war ausreichend. Heute lassen viele Städte ihre ganze Internet-Seite in Leichte Sprache übersetzen. Aber es gibt immer noch viel zu tun.

Frage: Reynaldo, du bist Athlet. Wie sieht es mit Leichter Sprache im Sport aus?

Reynaldo: Die ist dort auch wichtig. Ich bin Rad-Fahrer. Die Schilder an der Strecke müssen leicht sein. Und: Bilder sind besser als Text. Sport-Regeln sollte es auch in Leichter Sprache sein. Dann können die alle verstehen.

Sarah Jane: Wie gesagt, wir brauchen Leichte Sprache überall. Reynaldo hat über die Sport-Regeln gesprochen. Schilder in Sport-Hallen müssen auch leicht zu verstehen sein. Deshalb nutzen wir in der Leichten Sprache Zuschauer-Eingang. Und nicht: Zuschauereingang. Anleitungen für Übungen sollten auch in Leichter Sprache sein. Dann können alle Menschen sie gut verstehen. Und: Sport-Vereine erreichen mit Internet-Seiten in Leichter Sprache auch viel mehr Menschen.

Frage: Kann jeder die Leichte Sprache lernen?

Reynaldo: Ja.

Sarah Jane: Will jemand Leichte-Sprache-Übersetzer oder Leichte-Sprache-Übersetzerin werden? Dann kann er oder sie einen Kurs machen. Aber: In den Kursen lernt man die Regeln. Das ist sehr wichtig. Um gute Texte in Leichter Sprache zu schreiben, braucht man aber noch mehr. Zum Beispiel: Ein guter Übersetzer oder eine gute Übersetzerin muss Kontakt zu der Ziel-Gruppe haben. Ihre Lebens-Welt verstehen. Dann kann jeder Leichte Sprache lernen.

Damit Inhalte und Angebote der Website von Special Olympics Deutschland von allen verstanden werden, haben wir uns ein Ziel gesetzt. Wir übersetzen die Website specialolympics.de in Leichte Sprache. Bald werden alle Besucher über die Startseite unter dem Punkt Sprache, die Leichte Sprache auswählen können.