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Die Sommerinterviews

Assistent und Mensch mit Behinderung trinken gemeinsam
Ein Assistent hilft einem Mensch mit Behinderung beim Trinken und trinkt gleichzeitig selbst.
Foto: Andreas Vega

München (kobinet) Wer kennt das nicht, Lieblingssendungen oder wichtige Ansprechpartner sind in der Sommerpause. So plagt einem vor dem Fernseher entweder die Langeweile, oder der richtige Mann zum Reparieren eines Rollstuhls ist in weite Ferne verreist. Kobinet hingegen wird in den nächsten Tagen täglich ein Interview zum Thema „Persönliche Assistenz“ veröffentlichen. Am 19. Juni diesen Jahres veröffentlichten wir einen Bericht über massive Probleme bei der Personalsuche im Arbeitgebermodell bzw. persönlichen Budget. Die Redaktion erreichte viel Resonanz, das Thema der Artikel also getroffen. Täglich erscheint also ein Interview mit einem Menschen mit Behinderung, der „Persönliche Assistenz“ selbst organisiert und so versucht sein Lebensmodell „Selbstbestimmt Leben“ umzusetzen. Unsere Leser*innen bekommen also einen kleinen Einblick in die Probleme, die sich auf diesem Wege ergeben.

Heute sprechen wir mit einer behinderten Arbeitgeber*in aus der Region Östliche Pfalz nahe an der Grenze zu Luxemburg.

Kobinet: In welchem Umfang benötigen Sie persönliche Assistenz?

Ich benötige 24 Stunden Assistenz. Meine Assistenten begleiten mich durch meinen kompletten Alltag, das heißt: sie unterstützen mich bei der Körperpflege, bei der Haushaltsführung, bei der Arbeit und in der Freizeit.

Kobinet: Wie lange leben Sie schon mit persönlicher Assistenz?

Ich lebe seit 2007 mit persönlicher Assistenz. Von 2007 – 2008 hatte ich einen Pflegedienst, der es mir ermöglicht hat meine Assistenten selber auszusuchen. Die administrativen Dinge wie Dienstplanschreiben und Überweisungen der Assistenz Gehälter wurden vom Pflegedienst übernommen. Heute würde man Pflegedienst als Assistenzdienst bezeichnen. Im Jahr 2008 bin ich dann mit meinen Assistenten ins Arbeitgebermodell gewechselt

Kobinet: Wie funktioniert bei Ihnen die Suche nach geeigneten persönlichen Assistent*innen?

Ich lerne viele meiner Assistent*innen über Mundpropaganda kennen. Zum Beispiel Freund*innen einer Assistentin. Oft nutze ich die Möglichkeiten von Social Media oder Aushänge in Arztpraxen Supermärkten oder Testzentren. Also überall dort wo viele Menschen zusammenkommen.

Kobinet: Welche Medien nutzen sie zur Personalsuche?

Zum Beispiel Facebook, E-Bay Kleinanzeigen oder www.assistenzboerse.de. Das eignet sich allerdings oft nur für Großstädte wie Hamburg, Frankfurt, Berlin oder München und Bonn. Das sind meine persönlichen Erfahrungen.

Kobinet: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Mundpropaganda ist für mich das beste Mittel der Assistenzgewinnung. Es wird allerdings immer schwerer gute Assistent*innen zu finden. Das liegt zum einen an den niedrigen Löhnen, zum anderen aber auch daran, dass viele Menschen nicht mehr bereit sind für die Dauer des Dienstes auf ihre eigenen Bedürfnisse zu verzichten. Das war vor 14 Jahren als ich mit Assistenz angefangen habe noch anders. Ein weiterer Punkt warum man schlechter Assistent*innen findet ist die unterschiedliche Lohngestaltung. Das kann ja schon von Kommune zu Kommune unterschiedlich sein, die nur ein paar Kilometer voneinander entfernt liegen. Machen wir uns nichts vor: ein Arbeitnehmer geht lieber dorthin wo er mehr verdient. Ich bin der Meinung dass die Löhne innerhalb eines Bundeslandes die gleiche Höhe haben sollten. Ich lebe in Trier und kann weniger zahlen als z.B. der Landkreis Bernkastel-Wittlich. Also gehen doch die potentiellen Assistent*innen lieber dorthin, wo sie mehr verdienen.

Kobinet: Fürchten Sie Ihre Selbstbestimmung aufgrund der aktuellen Lage zu verlieren?

Ich habe Angst mein selbstbestimmtes Leben irgendwann zu verlieren, weil niemand mehr aus den genannten Gründen den Assistenz Job machen möchte. Hier reden wir nicht von heute und morgen sondern in 10 bis 15 Jahren.

Kobinet: Wie schätzen Sie die aktuelle Lage bezüglich der persönlichen Assistenz ein?

Da das Leben aufgrund der aktuellen Situation immer teurer wird, die Löhne aber nicht in gleichem Maße steigen, kann ich nur hoffen, dass die Menschen die jetzt bei mir sind nicht nur wegen des Geldes hier arbeiten, sondern weil wir uns alle gut verstehen. Geht man nur wegen des Gehalts zur Arbeit, lohnt es sich nicht als Persönliche Assistenz zu arbeiten. In manchen Gegenden werden noch nicht mal Sonn- und Feiertags- oder Nachtzuschläge gezahlt.

Kobinet: Vielen herzlichen Dank!

München (kobinet) Kategorien Interview

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sakmrv4