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Dinah Radtke: Wir sind keine exotischen Tiere wie im Zoo

Dinah Radtke
Dinah Radtke
Foto: Rolf Barthel

Berlin/Erlangen (kobinet) Dinah Radtke hat in ihren verschiedenen Funktionen bei Disabled Peoples' International (DPI) nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Zustandekommen der UN-Behindertenrechtskonvention geleistet, sondern setzt sich auch für eine inklusive Entwicklungszusammenarbeit ein. Die Aktion der Christoffel Blindenmission (CBM) am 2. Dezember vor dem Sony Center in Berlin ist ihr in dieser Woche um den Welttag der Menschen mit Behinderungen herum jedoch sauer aufgestoßen und hat einen faden Nachgeschmack bei ihr hinterlassen. "Wir sind keine exotischen Tiere wie im Zoo. Wir sind Frauen und Männer mit Behinderungen, wir haben Würde und Menschenrechte", kommentiere sie die Aktion, bei der behinderte Menschen symbolisch in einen Glaskäfig gesperrt wurden.

"Ich finde das zur Schau stellen behinderter Menschen in einem Glaskäfig diskriminierend und demütigend. Wir sind keine exotischen Tiere wie im Zoo. Wir sind Frauen und Männer mit Behinderungen, wir haben Würde und Menschenrechte. Abgesehen davon wird die Aktion mit dem Glaskäfig der ausgrenzenden Lebenssituation von behinderten Menschen im globalen Süden überhaupt nicht gerecht. Es stimmt, die Menschen sind ausgegrenzt und haben keinen oder kaum Zugang zu Bildung, Erwerbstätigkeit und Gesundheitsversorgung und vieles mehr. Die meisten Menschen mit Behinderungen leben sicher ein Leben im Schatten, d. h. sind unsichtbar und werden von den Gesellschaften im globalen Süden kaum wahrgenommen, so ähnlich wie es bei uns vor 40, 50 Jahren war. Um auf die rechtlose Lage von behinderten Menschen im globalen Süden aufmerksam zu machen, bedarf es meiner Meinung nach aber anderer und nachhaltigerer Mittel als solcher skandalträchtige Aktionen“, erklärte Dinah Radtke gegenüber den kobinet-nachrichten.

"Eine Frau und ein Mann mit Sehbehinderung, ein weiterer Mann im Rollstuhl. Alle sind eingesperrt in einem gläsernen Gefängnis und haben keine Chance herauszukommen. Das Bild löst bei den meisten Menschen als erste Reaktion Empörung aus, ist weltweit jedoch bittere Realität. Darauf macht die Christoffel-Blindenmission (CBM) heute mit einer Aktion vor dem Berliner Sony Center zum Welttag der Menschen mit Behinderungen aufmerksam", so berichteten die kobinet-nachrichten am 2. Dezember über die Aktion.

"Vor allem in Entwicklungsländern sind Menschen mit Behinderungen ausgegrenzt", erklärte dazu CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. "Sie haben kaum Zugang zu Bildung und später zu einer Erwerbstätigkeit. Auch medizinische Hilfe können sie oftmals nicht in Anspruch nehmen. Es drohen Armut und weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen." Aus Sicht der CBM macht Deutschland viel zu wenig, um das zu ändern: Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit geht an Menschen mit Behinderungen oft vorbei. Damit werden sie immer weiter abgehängt.

Link zum Bericht der kobinet-nachrichten mit Bild zur Aktion vom 2.12.2019

Berlin/Erlangen (kobinet) Kategorien Nachricht

Ein Gedanke zu „Dinah Radtke: Wir sind keine exotischen Tiere wie im Zoo

  1. Sven Drebes

    Wir erinnern uns: Am 28. Juni 2016 ließen sich mehrete Dutzend behinderte Menschen in einen Käfig vor (oder hinter) dem Berliner Hauptbahnhof sperren. Das wurde damals und wird seither bei jeder passenden Gelegenheit mit einigem Recht als geniale Aktion und Teil der Wiedergeburt der aktivistischen Behindertenbewegung gefeiert. Damals hat sich niemand mit Zoo-Assoziationen zu Wort gemeldet, obwohl die Situation im Juni 2016 insgesamt wesentlich mehr von "Zoo", ja "Zirkus" hatte als die am 2. Dezember 2019. Verantwortlich waren dafür die vielen Menschen außerhalb des Käfigs damals.

    Man kann darüber streiten, ob behinderte Menschen im "Globalen Süden" eher ein- oder ausgesperrt sind. Das Rütteln von außen hätte die Realität sicher besser widergespiegelt. Genauso kann man aber auch hinterfragen, ob ein Behindertenheim wirklich ein Käfig ist. Wer Aufmerksamlkeit für sein Thema erregen will, muss aber vereinfachen, provozieren und leicht nachvollziehbare Bilder wählen.
    Also bitte, etwas mehr Entspanntheit.

    PS: Ich war bei beiden Aktionen dabei.

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