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Im gläsernen Gefängnis

Foto zeigt gläsernes Gefängnis
Im gläsernen Gefängnis
Foto: CBM/Joerg Farys

Berlin (kobinet) Eine Frau und ein Mann mit Sehbehinderung, ein weiterer Mann im Rollstuhl. Alle sind eingesperrt in einem gläsernen Gefängnis und haben keine Chance herauszukommen. Das Bild löst bei den meisten Menschen als erste Reaktion Empörung aus, ist weltweit jedoch bittere Realität. Darauf macht die Christoffel-Blindenmission (CBM) heute mit einer Aktion vor dem Berliner Sony Center zum Welttag der Menschen mit Behinderungen aufmerksam.

"Vor allem in Entwicklungsländern sind Menschen mit Behinderungen ausgegrenzt", erklärt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. "Sie haben kaum Zugang zu Bildung und später zu einer Erwerbstätigkeit. Auch medizinische Hilfe können sie oftmals nicht in Anspruch nehmen. Es drohen Armut und weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen."

Aus Sicht der CBM macht Deutschland viel zu wenig, um das zu ändern: Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit geht an Menschen mit Behinderungen oft vorbei. Damit werden sie immer weiter abgehängt.

Weltweit gibt es mehr als eine Milliarde Menschen mit Behinderungen. Die meisten von ihnen leben in Entwicklungsländern. Die Gründe für ihre Ausgrenzung sind vielfältig. Es fehlt an barrierefreien Schulen oder Gesundheitsstationen. Viele behinderte Menschen in den ärmsten Regionen haben kein Geld für dringend benötigte Medikamente.

Lehrkräfte sind nicht ausgebildet, um Kinder mit Behinderungen zu unterrichten. Es gibt kaum Informationen in Braille-Schrift und viel zu wenige Gebärdendolmetscher. Arbeitgeber halten behinderte Menschen für nicht leistungsfähig und geben ihnen keinen Job. So haben sie kaum Chancen auf eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben und bleiben eingeschlossen in ihrem "gläsernen Gefängnis".

Auch die deutsche Regierung ist gefordert, die Gefängnistüren zu öffnen. Obwohl 15 Prozent der Weltbevölkerung eine Behinderung haben, werden sie derzeit von nur rund sechs Prozent der staatlichen Entwicklungsprojekte berücksichtigt. Spezielle Budgets für Inklusion gibt es im zuständigen Ministerium gar nicht.

Brockhaus: "Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit muss Menschen mit Behinderungen als die größte Minderheit der Welt endlich stärker in den Blick nehmen. Budgets und Anzahl der Projekte müssen ihrem Anteil an der Weltbevölkerung entsprechen - also 15 Prozent des Gesamtvolumens erreichen. Nur so schaffen wir es, dass Menschen mit Behinderungen die gleichen Chancen und Zugänge haben wie alle anderen Menschen auf der Welt."