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Leserbriefe.

Zu "Hungern um zu überleben", 22.09.2008 - 11:07 (zum Artikel).

A. Heinker schrieb am 06.10.2008, 07:58

mit Lebensbedingungen in Südosteuropa vergleichen

Hallo Herr Lorch,
ich denke, dass es nicht geht, dass Menschen mit Behinderung ihre hiesigen Lebensbedingungen mit den Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung in (Süd)Osteuropa vergleichen sollen und so unterschwellig dazu aufgefordert werden, nicht mehr sich für zeitgemäße (schließlich fahren Autofahrer/innen in Deutschland auch nicht mehr mit einem Auto aus den 19950er Jahren herum und Behinderte werden nicht mehr im hölzernen Handwagen hinter sich hergezogen) Lebensbedingungen einzustehen, noch dazu für ihre eigenen.

Ich halte es auch aus politischen Gründen für nicht geeignet, durch Rückverweise auf schlechtere Lebensbedingungen, diese ständig zur Referenz zu erhöhen.
A. Heinker

Martina Alberts schrieb am 06.10.2008, 00:56

Contergan oder "Wie Reichtum hart macht"

Grünenthal mauert und sucht Ausflüchte, die Regierung legt die Hände in den Schoß - aber etliche Milliarden werden jetzt locker gemacht, um eine Bank "zu retten", die aus eigenem Verschulden in die ... gerutscht ist.

Wenn die Regierung wenigstens hinter uns stehen (sie müßte es, denn sie hat es damals zugelassen) und Grünenthal und seine Tochterfirmen auffordern würde, Gerechtigkeit walten zu lassen, könnte sich Fa. Grünenthal nicht auf dem Stiftungsgesetz ausruhen, das damals nur unter starken Repressalien und unter Druck auf unsere Eltern entstehen konnte. ("Entweder das - 25.000,- DM - oder gar nichts!" Dabei haben die OPs schon das 5fache gekostet und mussten selber bezahlt werden...)

Die 50 Millionen Euro, die jetzt von Grünenthal erneut in den "Topf" gezahlt wurden, bedeuten für jeden Betroffenen die unglaubliche einmalige Summe von ca 1786 Euro.
Wer soll davon die Hilfsmittel, die die Kassen eben NICHT mehr übernehmen, bezahlen?

Frau Fusening scheint, was unsere bundesdeutsche Gesundheitsreform betrifft, nicht auf dem Laufenden zu sein - oder sie weiß einfach nicht, wie es ist, wenn man einen Rollstuhl braucht und ihn nicht bekommt. Woher auch, denn Gedanken darüber braucht sie sich ja keine zu machen.

Würden Sie kurz einmal tauschen, Frau Fusening/ Herr Wirtz? Sie leben einen Monat mein Leben?
Vielleicht bekommen sie dann eine etwas klarere Vorstellung davon, wie schwierig es teilweise ist. Falls Sie es überhaupt so lange schaffen.

Die Herren Banker bekommen den goldenen Handschlag, wie jeder Firmenchef auch, selbst wenn mißgewirtschaftet wurde, Opfer von Autounfällen oder anderen "Katastrophen" bekommen eine Entschädigung, uns aber, die wir bewußt als nichts anderes als Versuchskaninchen mißbraucht wurden (besser unsere Eltern mit uns als Resultat), wird "trocken Brot und Wasser" vor die Füße oder Räder geworfen, wir dürfen uns durchs Leben beissen, als ob es eine zu harte Karotte wäre.

Wenn Sie unser Handeln und das der ICTA (Internationale Contergan-Thalidomide Allianz) als aggressiv bezeichnen, frage ich mich, wie man sonst seinen Anspruch anmelden könnte. Lieb betteln, wie die letzten 30 Jahre? Mit demselben Ergebnis - nämlich nichts?

Die ICTA spricht für die meisten von uns. Der Ansprechpartner, den Grünenthal sich auserkoren hat, verhält sich so, wie die Firma es erwartet: Lieb, brav, ein bißchen doof und ganz leicht zu führen.

Nicht mit mir und nicht mit uns, der Mehrzahl der Überlebenden der Arzneimittelkatastrophe.

Martina Alberts

Gotthilf Lorch schrieb am 23.09.2008, 10:37

So nicht !!!

Es ist sehr lobenswert, dass Ihr für unsere Rechte kämpft und auf das Unrecht, dass uns im europäischen Vergleich geschieht, aufmerksam macht. Auch kann nicht genug auf die Arroganz und dem absolutistische Verhalten unserer Wirtschaft im Allgemeinen und der Medikamentenindustrie im Besonderen hingewiesen werden. Ich halte hier einen Hungerstreik durchaus für angebracht.

Euer Slogan "Hungern um zu überleben" finde ich aber total unverhältnismäßig !!!

Es gibt in Deutschland immer noch junge Menschen in Pflegheimen, die nur in der Gruppe und dann auch nur einmal wöchentlich das Heim verlassen können zum z.B. gemeinsamen Kinogang oder ins Cafe. Individualität oder gar Selbstbestimmung gibt es hier nicht !
Es gibt in Europa (vor Allem in Süd- und Osteuropa) noch viele, die leben trotz schwerer Körperbehinderung nicht barrierefrei in Wohnblöcken im 5. oder 6. Stockwerk ohne Aufzug und haben vielleicht 3 bis 4 Mal im Jahr die Möglichkeit, auf die Straße und in die Stadt zu kommen.
Das sind Menschen, die ums Überleben kämpfen !!!

Also bitte ich Euch, in Eurem wirklich wichtigen Kampf, maßvoll zu bleiben und die allgemeinen Verhältnisse nicht völlig aus dem Blick zu verlieren.

Trotz Allem mit solidarischen Grüßen,
Gotthilf Lorch, selbst contergangeschädigt

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