A. Heinker schrieb am 22.09.2008, 12:55
Hallo Herr Gleis,
hallo alle ungenannt bleibenden Leser/innen des Leserbriefes hier,
die Bedenken von Gerlef Gleis teile ich in Gänze und meine, dass die Aktion Mensch eher beschwichtigend, denn revolutionierend auf Menschen mit Behinderung einwirkt. Eine Abstimmung über das Fusionieren mit Familien- und Seniorenverbände und dergl. hat es auf der Tagung nicht gegeben. Man muss sich im Nachhinein eher fragen, weshalb nun in Richtung Fusionitis mit Alten- und Familienverbänden eingenordet wird. Welcher Sinn soll darin sein? Und nicht vergessen sollte man auch, dass hinter der "Aktion Mensch" das ZDF steht und vielleicht sollte man mal das genau ausleuchten, was da möglicherweise im Hintergrund der zweitägigen Tagung bereits ausgekungelt worden ist und wer hier die Akteur/innen sind?
A. Heinker
Gerlef Gleiss schrieb am 22.09.2008, 12:36
Die Berichte von kobinet zu dem 5. Mai-Treffen der Aktion Mensch sind einfach nur ärgerlich. Und das es der Autor OMP besser weiß, macht die Sache nicht besser. Zunächst: Den Aktionstag am 5. Mai gibt es sehr viel länger als 10 Jahre. Er wurde 1992 von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben Deutschland (IsL) ausgerufen. Die Aktion Mensch ist 1998 nur auf den fahrenden Zug aufgesprungen und hat in den Folgejahren diesen Tag mit ihren reichlichen Geld- und Werbemitteln zu ihrer eigenen Aktion gemacht. Ob das gut war, will ich hier nicht näher erörtern. Genützt hat es auf jedem Fall der Aktion Mensch, die dadurch ihren Namens- und Imagewechsel - weg von der Aktion Sorgenkind - ohne finanzielle Verluste erfolgreich durchsetzte. Der Aktionstag war aber dadurch ganz sicher nicht mehr alleiniger Ausdruck der Selbstbestimmung behinderter Menschen. Denn wer die Kapelle bezahlt, bestimmt bekanntlich die Musik.
Die Menschen, die sich da jetzt in Berlin getroffen haben, waren auch keine Delegierten, wie Ottmar schreibt, erst recht natürlich keine von wem auch immer demokratisch gewählte Delegierte. Es war ein zufällig zusammengesetzter Haufen Menschen, nicht wenige davon vor allem angelockt durch die Großzügigkeit der Aktion Mensch.
Ich befürchte, dass dadurch, dass nun offiziell auch andere Bevölkerungsschichten einbezogen werden sollen, nicht die Durchschlagskraft zunimmt, sondern in erster Linie die Beliebigkeit der Ziele und die Schwammigkeit der Forderungen. Schon Goethe wusste: Getretener Quark wird breit - nicht stark.
Vielleicht sollte das für IsL der Anlass sein, sich vollends vom 5. Mai zu verabschieden und nach neuen Protest- und Ausdrucksformen des selbstbestimmten Lebens behinderter Menschen zu suchen.