Jürgen Bünte schrieb am 20.09.2008, 18:08
Deutsche Bahn: Kein Handlungsbedarf
Ein Luftstoß trifft mich und bringt mich aus dem Gleichgewicht. Ein Zug rast durch den kleinen Regionalbahnhof Fürstenberg/Havel. Obwohl ich mich in der Mitte des Bahnsteigs befinde und damit eigentlich die höchstmögliche Entfernung von den Bahnsteigkanten habe, fühle ich mich für Sekunden wie emporgehoben. Ich komme mit dem Schrecken davon und denke nur mit Entsetzen wie es etwa einem kleinen Kind ergangen wäre.
Auf meine Beschwerde über eine fehlende Ansage erreicht mich eine belanglose Entschuldigung der zuständigen Deutsche Bahn AG -Regionalbereich Berlin - Brandenburg:
"Ihre Kritik haben wir an den verantwortlichen Fachbereich unseres Unternehmens weitergeleitet und darum gebeten, geeignete Maßnahmen zu treffen, um solche Vorkommnisse künftig auszuschließen."
Da damit das Problem einer fehlenden Ansage keineswegs gelöst ist, bitte ich meinen Verein den ABSV um UNterstützung, die ich auch unverzüglich mit einer deutlichen Stellungnahme des Geschäftsführers gegenüber der DB erhalte. Darin heißt es:
"Die bahneigene Hierarchie sollte es ermöglichen, die Verantwortlichen nicht
lediglich zu bitten, sondern anzuweisen, in geeigneter Weise für Abhilfe zu
sorgen und das Ergebnis zu dokumentieren sowie den Beschwerdeführer
entsprechend zu informieren."
Die Antwort darauf ist an Inkompetenz und Zynismus nicht zu überbieten:
"Nach nochmaliger Nachfrage erfuhren wir, dass es keine gesetzlichen Vorgaben für
Durchsagen auf dem Bahnhof Fürstenberg und somit keine Verstöße gibt.
... Als Sicherheitsvorgaben vom zuständigen Eisenbahnbundesamt sind für den
Bahnhof nur weiße Warnlinien und Schilder mit einem Warnhinweis vorgesehen,...
Wir bitten um Verständnis, dass unsererseits kein Handlungsbedarf zu einer
Veränderung besteht, da sämtliche gesetzliche Sicherheitsbestimmungen in Fürstenberg eingehalten
werden."
Wie aktuell dieses Vorkommnis ist, zeigt die kürzlich erfolgte Meldung des Bayrischen Blinden- und Sehbehindertenbundes: "Ehe gehandelt wird, muss wohl wirklich erst etwas
passieren... Der in Ingolstadt erscheinende "Donaukurier" berichtet über
den noch glimpflich verlaufenen Unfall einer Schülerin in Schrobenhausen
auf einem Gleisübergang. Für blinde und sehbehinderte Reisende
können Schrobenhausener Verhältnisse zur Todesfalle werden, wenn, ja wenn dem
Schienenunternehmen nicht Einhalt geboten wird, nicht nur den Service,
sondern auch die Sicherheit herunter zu fahren:..." Die DB hatte dort die Ansagen über Zugdurchfahrten aus Kostengründen eingestellt.
Ich erhoffe mir wirksame Schritte des DBSV in diesen Sicherheitsfragen
Jürgen Bünte
Markus Zimmermann schrieb am 20.09.2008, 16:01
So tönt es in jedem Zug btr. Reisemöglichkeiten. Der Deutschen Bahn AG ist offenbar auch nichts noch zu viel! Nicht nur für Blinde und Sehbehinderte sind Durchsagen wichtig. Kein anderes Informationssystem erreicht gleichzeitig so viele Menschen. Dazu ist es billig, verglichen mit optischen Informationssystemen. Offenbar ist keine Idee dumm genug, dass sie den durchgeknallten, börsengeilen Bahn-Managern nicht einfallen könnte!