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Leserbriefe.

Zu "Förderzentrum in München eröffnet", 17.09.2008 - 18:48 (zum Artikel).

Inge Rosenberger schrieb am 22.09.2008, 16:32

Kandidatenwatch - Frau Stewens

über den nachfolgenden Link kann man die Antwort von Frau Stewens auf eine Frage zum Thema Wohnheim und zweiten Lebensbereich nachlesen:
www.kandidatenwatch.de/christa_stewens-120-16264--f137744.html#frage137744

Karin Kestner schrieb am 20.09.2008, 20:17

Da fällt mir nur ein Wort ein ...

Förderghetto!

Karin Kestner

Inge Rosenberger schrieb am 19.09.2008, 16:52

Unterfranken

Und so stellt sich die CSU-Fraktion den zweiten Lebensraum - das Wort "Tagesförderstätte" wird hier gar nicht erwähnt - vor. Dieser Text wurde von Dr. Motsch, dem Vorsitzenden der CSU-Fraktion, bei der Bezirkstagssitzung am 24. Juli 2008 vorgelesen.

"In den Wohnpflegeheimen werden - wie in der Regel schon bisher - für schwerbehinderte Bewohner, die keine Werkstätte für Behinderte besuchen können, Fördergruppen eingerichtet. Diese Gruppen werden in Tagesräumen gefördert, die vom Wohnpflegebereich deutlich zu trennen sind. Die Tagesräume sollen die Funktion eines weiteren Lebensbereichs erfüllen.
Wohnpflege- und Tagesbereiche sollen so angelegt werdern, dass sie in räumlich-organisatorischer Hinsicht einen effektiven und wirtschaftlichen Personaleinsatz ermöglichen. Wohnpflege- und Tagesbereiche sollen nicht so weit auseinander liegen, dass regelmäßig zusätzliche Beförderungsfahrten erforderlich werden. Dies liegt auch im Interesse der Bewohner mit schwerer Behinderung."

Menschen werden, wenn sie keine Arbeitsleistung erbringen können, lebenslänglich in (von "werkstattfähigen" Behinderten abgetrennten!) Wohnpflegeheimen mit "Interner Tagesstruktur" untergebracht. Der Besuch einer externen Tagesförderstätte ist nicht vorgesehen.
Unter dem Deckmantel der Fürsorge werden hier Aussonderungsmaßnahmen durchgeführt.

Wie sollte hier eine Teilhabe am Leben in der Gesellschaft möglich sein? Wie sollte sich hier Normalität leben lassen? Und wer von diesen Bürokraten will wissen, was im Interesse der künftigen Bewohner ist?

Die Elterninitiative "Teilhabe für alle" setzt sich schon seit über 2 Jahren intensiv dafür ein, dass auch Menschen mit schweren Behinderungen in der Mitte der Gesellschaft leben können.
Auf ein Umdenken oder Verstehen des Bezirks Unterfranken warten wir jedoch bisher vergebens.

wesemichshof.homepage24.de/Teilhabe



Gerd Frank schrieb am 19.09.2008, 12:55

Falscher Begriff

Hier wird mal wieder ein Begriff in eklatanter Weise mißbraucht. Was bitte schön soll bei dieser Art Sondereinrichtung der Name Förderungszentrum. Das dann noch als Fortschritt zu bezeichen ist schlichtweg eine bodenlose Frecheit.
Hierbei handelt es sich wohl eher um ein Aussonderungszentrum, der Begriff ist für solche Art von Einrichtungen wohl eher der passende.
Aber der Bergriff Förderungszentum verkauft sich ja besser. Ich bin fassungslos wie die Politiker immer wieder versuchen behinderte Menschen als doof hinzustellen. Die Politiker sollten endlich begreifen, das behinderte Menschen diese selbsternannten Fachleute schon lange durchschaut haben, welchen Zweck sie mit ihrem TUN bezwecken. Im Grunde wollen sie nichts anderes als wirkliche Integration zu verhindern. Frei nach dem Motto nur wir wissen was für euch " doofe Behinderte " gut ist.

Petra Steinborn schrieb am 19.09.2008, 12:11

Aufstehen und sich wehren

Die Worte zur Eröffnung des Förderzentrums blieben mir im Halse stecken. Ich bin entsetzt. Wert/Ziele, die für jeden Menschen wichtig sind wie Integration in die Gesellschaft, Teilhabe am Arbeitslegen, Mehr- Milieu-Prinzip oder Wahlfreiheit werden von der Sache her ins Gegenteil verdreht. Dann redet man den Zustand, dass Menschen mit Behinderung isoliert werden, schön, mehr noch man stellt es als positiven Effekt, als Errungenschaft von Lebensqualität dar z.B. bei den 'gleichbleibenden Bezugspersonen'.
Ich möchte jeden, der so spricht bitten, in die Schuhe des Menschen mit Behinderung zu treten.
Wollen Sie alles aus einem Guss (Arbeit, Freizeit, Kontakte)?
Ich behaupte, dass Lebensqualität dadurch entsteht, dass der Mensch Vielfalt und damit die Möglichkeit der Wahl hat!

Inge Rosenberger schrieb am 18.09.2008, 19:23

Förderstättenkonzeption

eine Passage aus der bayerischen Förderstättenkonzeption von 2004:

"Die behinderten Menschen haben Anrecht auf einen zweiten Lebensraum, in dem sie am Leben der Gemeinschaft beteiligt und integriert sind. Hier können sie sich persönlich auch im Hinblick auf ihre Möglichkeiten, Arbeit und Beschäftigung im weiteren Sinne zu gestalten, entwickeln. Die Förderstätten sollen dieses Recht auf eine der Normalität entsprechende Lebensgestaltung in der sozialen Umwelt verwirklichen. Der Aufenthalt in den Förderstätten ist bei entsprechendem Bedarf dauerhaft zu gewähren."

Wohneinrichtungen, in denen Menschen mit schweren Behinderungen zusammengefasst werden und der Besuch einer externen Tagesförderstätte nicht möglich ist, fördern die Entstehung von Behindertenghettos. Zudem sind Unternehmungen außerhalb dieser Einrichtungen mangels Personal immer seltener möglich. Das Lebensumfeld der behinderten Menschen ist somit auf die Einrichtung und die dort lebenden und arbeitenden Menschen begrenzt.
Für viele Bewohner hat diese Art des Wohnens gravierende Folgen: Aggressionen gegen sich selbst und andere; auch körperlicher und emotionaler Rückzug bis zur Selbstaufgabe sind möglich. Jeder "normale" Mensch würde bei diesen Lebensumständen ebenfalls geistige und seelische Schäden erleiden.
Das Recht auf einen zweiten Lebensraum darf behinderten Menschen niemand absprechen, auch und schon gar nicht aus Kostengründen.



Kirsten Simon schrieb am 18.09.2008, 17:39

Vorbildlich aber für wen?

Wie kann in der heutigen Zeit wo die Fachwelt sich einig ist, dass Menschen mit Behinderung dringend ihren 2. Lebensbereich brauchen, Leben und Wohnen im gleichen Haus vorbildlich sein?

Hat man die schwerstbehinderten Menschen befragt? Gibt man diesen Menschen auch die freie Wahl auf Wohnrecht und ist es nicht eine Mogelpackung?

Es mag sein, dass der eine oder andere Betroffene diese Möglichkeit des Wohnens und Lebens bevorzugt, oder für ihn die beste Form der Umsetzung seiner Ansprüche ist.

Andere wollen aber trotz Pflegestufe 3, trotz Blindheit oder Taubheit und und und trotzdem einfach auch raus aus dem Alltag. Wir (weil wir Glück gehabt haben) dürfen uns doch auch das Recht dazu nehmen.

Große Einrichtungen öffnen sich und integrieren in die Gesellschaft. Manchmal habe ich das Gefühl, alle reden aneinander vorbei. An den Uni´s wird gelehrt, was wird am Ende davon umgesetzt? Wozu gibt es jahrelange Ausbildungen und praktische Erfahrungen wenn das Wissen dann doch nicht berücksichtigt wird?
Oder habe ich vielleicht - als Mutter eines behinderten Kindes und Mutter einer angehenden studierenden Fachkraft - keine Ahnung?
Kirsten Simon


Uwe Heineker schrieb am 18.09.2008, 13:18

Ein (abschreckendes) Beispiel von ...

... Verwässerung oder Missbrauch von Begrifflichkeiten - hier: "Integration" - von sogenannter "Integration" kann keine Rede sein, wenn sowohl ganze Lebensbereiche (Arbeit, Wohnen) als auch Menschen selbst räumlich konzentriert werden ...

Inge Rosenberger schrieb am 18.09.2008, 12:02

"...ein Leben lang..." - Leben???

Das Zitat von Frau Stewens "Wohnpflegeplätze - auch mit integrierter Tagesstruktur - ... ermöglichen es den behinderten Menschen, ein Leben lang in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben" zeigt, wie behinderte Menschen nach Auffassung des Bayerischen Sozialministeriums leben sollen: in Pflegeeinrichtungen, in denen die Bewohner auf die Dauer von Jahrzehnten jede Minute, jede Stunde und jedes Jahr - für den "Rest" ihres Lebens - rund um die Uhr immer mit den gleichen Menschen in den gleichen Räumen zusammen sein sollen.

"...ein Haus, das den pädagogischen und sozialen Bedürfnissen der hier beschäftigten und wohnenden Menschen in vorbildlicher Weise gerecht werde".
Wer entscheidet hier über die sozialen Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung, und nach welchem Vorbild wurde hier gehandelt?

Auch die Aussage „Werkstätten und Förderstätten leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Integration behinderter Menschen in die Gesellschaft“ widerspricht sich selbst, wenn diese „Integration“ dann in einem Zentrum stattfinden soll.

Wie sollen hier Normalität, Integration (eigentlich Inklusion) und Gleichberechtigung im Sinne der UN-Konvention verwirklicht werden?

Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich die bayerische Sozialministerin Stewens zu der an sie gerichteten Frage, die dieses Thema betrifft, bei Kandidatenwatch äußern wird: kandidatenwatch.de/christa_stewens-120-16264--f137744.html#frage137744




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