Christiane Link schrieb am 18.09.2008, 21:37
Ich stimme Karin Kester völlig zu. Ich kann mich nur wundern, dass ausgerechnet die Behindertenverbände sich derzeit als Blockierer für die integrative Beschulung outen. Der DVBS hat sich vor kurzem ähnlich unklug geäußert. In Großbritannien werden unterdessen mehr als 80% aller behinderten Kinder integrativ beschult. Das ist ein Vorteil für die behinderten Kinder, kein Nachteil. Gleichberechtigte Teilhabe geht nicht ohne schulische Integration. Denn für die (schlechte) Sozialisation und Bildung behinderter Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten sind nicht zuletzt die Sonderschulen verantwortlich. Wie man an diesem Konzept nach so vielen Jahrzehnten des Versagens noch festhalten kann, ist mir ein Rätsel. Behinderte Menschen gehören in die Mitte der Gesellschaft nicht in die Sonderschule am Waldrand.
Karin Kestner schrieb am 16.09.2008, 12:18
Verständlich ist die Forderung des Deutschen Gehörlosen Bundes, doch die Forderungen gehen an der Realität vorbei.
Wie sieht es aus in den Gehörlosen-Schulen von heute? Immer noch beherrschen die wenigsten Hörgeschädigtenpädagogen die Gebärdensprache, Gehörlosenkultur wird schon gar nicht in allen vermittelt, zweisprachiger Unterricht ist eine Sltenheit.... Die Schulen (ehemals Hörgeschädigten Schulen - jetzt Förderschulen für Hören und Kommunikation) beherbergen Schüler mit mannigfaltigen Behinderungen.
Die meisten Kinder, die in die ersten Klassen eingeschult werden, können gar keine Sprache - weder die deutsche noch die Gebärdensprache. Die Lehrer stehen vor dem meist unlösbaren Problem Kindern erst einmal die Gebärdensprache beizubringen - unlösbar, wenn man sie nicht selbst beherrscht.
Da sind in den Klassen Kinder von fitten Gehörlosen, die ihren Kindern DGS beigebracht haben, da sind Kinder, deren hörende Eltern, sich nicht von sogenannten Fachleuten gegen die DGS haben beinflussen lassen und ihren Kinder die Grundlagen der DGS vermittelt haben. Und da sind Kinder wie geschrieben, die nichts von alle dem können.
Wie kann man solche Kinder mit solch unterschiedlichen Kompetenzen in einer Klasse unterrichten? Gar nicht!
Deswegen wandern die gehörlosen Kinder mit DGS - Sprachkompetenz in die Regelschulen ab - mit Dolmetscher - pflegen nachmittags Kontakte zu anderen Gehörlosen und haben so auch ihre Vorbilder. Leider gibt es nicht in jeder Stadt solche Kinder, wie soll man dann 4 Kinder zusammenbekommen, die auch noch das gleiche Alter haben? Sollten deswegen die fitten Kinder weiter in die nicht komeptenten Zentren für Hören und Kommunikation gehen? Ist es zwangsläufig, dass diese Kinder nicht gut lernen und keinen Halt finden? NEIN! Es gibt Beispiele für Einzelintegration mit Dolmetscher, die funktionieren. Leider müssen Eltern immer darum kämpfen!
Es muss gelernt werden, dass Kinder individuell angeschaut werden, wie Kinder von gehörlosen Eltern, weil sie andere Voraussetzungen haben! So pauschal, wie diese Aussagen des DGB sind, so pauschal kann man Kinder nicht beurteilen und auch nicht unterrichten. Denn wenn solche Forderungen wie Gehörlosenkunde in jeder Regelschule angeboten werden müssen, als Voraussetzung, werden wir nie eine gleiche Bildung für gehörlose Kinder erreichen können. Und Gehörlosenkunde gibt es auch nur selten in den Förderzentren! Es müssen neue Konzepte her, für die Kinder an den Regelschulen und neue Konzepte für die Förderschulen, wenn sie erhalten bleiben sollen. Und wir müssen wir Herr Finke es fordert, darauf bestehen, dass nur Pädagogen in diesen Zentren arbeiten, die DGS beherrschen. www.behindertenbeauftragter-niedersachsen.de/presse_bblni/2008/Quartal-III08/pi_020908.shtml
Karin Kestner